Stefan Tür

Stefan Tür

Aus der Fortsetzung von 'ChancenPool'

Blog über die Fortsetzung des im Januar erschienenen Romans 'ChancenPool' von Stefan Tür.

www.die-erlebnisse-des-robert-wick.de

Der Roman 'ChancenPool' ist im Januar 2017 erschienen
und überall im Buchhandel oder über Tredition erhältlich.
Das E-book gibt es u.a. bei Amazon.

Stefan Tür lebt und schreibt auf See.

Die Handlung dieses Romans ist frei erfunden. Sämtliche Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Ereignissen oder Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.

Aus der Feder Stefan Tür's (29.12.17)

RomanPosted by Stefan Tuer Dec 29, 2017 14:20

„Wenn das Kind von mir ist, bestehe ich sogar darauf als Vater anerkannt zu sein! Was soll überhaupt diese Frage? Das ist doch selbstverständlich! Und darauf lege ich Wert! Ich bin ein Özdemir!“ „Und was hast Du neulich am Telefon mit deinem Theater bezweckt, dich an unsere Nacht in Huntsville nicht mehr erinnern zu können, als ich dir aus Marokko die freudige Nachricht meiner anderen Umstände mitteilen wollte?“ „Das war ein Missverständnis, Silke!“ „Ha, ha! Kneifen wolltest du, Schuft!“ – Wären sie bei ihrem Treffen jetzt in einem Restaurant statt hier, hätte man besser rasch die Tischbestecke eingezogen, um einem Griff zum Messer zuvorzukommen. Denn auch ihrer Aller Outfit, Typen aus dem Untergrund ähnelnd, lässt nicht unbedingt nur Friedsames vermuten. Jedenfalls, die Erregung unserer kurzzeitig im letzten Dezember Verliebten bedarf kaum noch einer Steigerung, um übrige Besucher der kleinen gemütlichen Teestube vis-a-vis des Hilton zu verstören, verstünden diese englisch und somit die erhitzte Auseinandersetzung zwischen Robert’s Tochter und ihrem einstigen Schwarm Fadil. Doch da offensichtlich dem nicht so ist, verschlägt diese als friedlich gedachte Begegnung der beiden, allein Robert und seiner Begleiterin Paula beinahe die Sprache. „Das hört sich nicht gut an, meine Lieben!“, findet Robert schließlich doch Worte als Appell an die Vernunft und schaltet sich mit erhobenem Finger ein, woraufhin Paula ergänzt: „Zanken bringt euch auch nicht weiter! Was wünscht ihr euch denn, ein Mädchen oder einen Jungen?“ „Soweit bin ich noch nicht, mir missfällt die Ungewissheit, womöglich gar nicht der Vater zu sein“, verteidigt Fadil bedrückt dieses Verhalten und senkt zum Ausdruck einer gewissen Verzweiflung den Kopf. „Na Silke, jetzt bist du wohl an der Reihe zu klären, was Fadil verunsichert“, fühlt sich Robert als Vater veranlasst seine Tochter in die Pflicht zu rufen. „Wünschen die Herrschaften einen zweiten Tee? Und mehr Gebäck?“, ist auch die aufmerksame Bedienung bemüht, die Stimmung der Gäste wieder erträglich werden zu lassen. „Wenn Sie von dem Verzaubernden noch ein Glas bringen könnten, hätte ich gern das Honigstück dabei“, geht Paula auf die freundliche Nachfrage ein, wohlwissend, damit eine Atmosphäre zu fördern, welche die Gemüter animiert übereinzukommen – und tatsächlich schließen sich die anderen drei sogleich mit ihrer Bestellung gern an. Ein Zeichen des Kellners lässt einen alten Mann, schlicht gekleidet, behutsam aus dem Dunklen hervortreten und mit einem leisen Flötenspiel beginnen Musik zu machen, so dass sie sich unter ihrem buntseidigen Baldachin, einem Versteck gleich, umgeben von Geschichten erzählenden Wandteppichen, wie im Märchen von ‘Tausend und einer Nacht‘ wähnen, indes draußen das Treiben zunimmt. Und tatsächlich wird an diesem lauwarmen Samstagnachmittag im Februar hier am Bosporus bald die Sonne untergehen. Dann spätestens sollte auch endlich ‘der Hund vom Tisch‘ sein, denn so wie Paula und Robert durch die Hintertür kamen, wird es für sie langsam Zeit, vor ihren Verfolgern heimlich wieder zu verschwinden. – „Also, ich habe zigmal hin und her gerechnet, aber das Ergebnis ist, dass den Beweis nur ein Bluttest erbringen kann; daran führt kein Weg vorbei und deshalb bin ich hier.“ „Aber warum ist es denn so kompliziert, Silke?“, wundert sich Robert, in diesen Fragen etwas unbeholfen, hat er doch seine Tochter erst seit einigen Monaten, nach unerwarteten Ereignissen in ihrem Hamburger Zuhause bei den Großeltern, besser kennenlernen können. Zwanzig Jahre auf der Flucht vor sich selbst und der Wahrheit waren einfach eine zu lange Zeit. So durchzucken ihn die Erinnerungen an den ungeklärten Unfalltod seiner geliebten Frau wie Blitze und er muss sich beherrschen, jetzt die Fassung nicht zu verlieren, wie man es ihm in den zahlreichen Wochenendsitzungen antrainiert hatte. Nicht so arg verwundert springt Paula dem Vater bei, und um auch seiner Tochter aus der Patsche zu helfen, ohne etwa Fadil zu verletzen: „Ich erinnere mich an meine erste Liebe, aber leider auch an die Enttäuschung und wie ich sie zu überwinden versuchte. Ob mich Wut, Rache oder Genugtuung trieb? Wie auch immer, nach neun Monaten war ich stolz, Mutter eines gesunden Kindes zu sein. Und siehe da, die vermeintlichen Väter wären es am liebsten beide gewesen.“ „Genau! Als mich nämlich Fadil bei der Wahlparty in Texas keines Blickes würdigte und er stattdessen abseits mit einer Hübschen herumturtelte, fühlte ich mich neben dem Sohn des Gouverneurs in seiner Viper sauwohl.“ „Aber Silke, das war doch meine Schwester, die ich dort getroffen habe.“ – Schicksal, denkt Robert entspannt und hält den Burschen aus Texas nicht unbedingt für die schlechtere Partie, war sein Verhältnis zum ehemaligen Kollegen Özdemir doch eigentlich eher selten von absoluter Übereinstimmung geprägt, insbesondere seit dieser von London fort ist und heute in Ankara für die Amerikaner arbeitet. Letztendlich liegt ihm sowieso allein Silke‘s Wohl am Herzen. – Für uns bleibt also abzuwarten, was für sie das Beste sein wird. Nächsten Freitag werden wir es wissen. Bis dahin, Euer Stefan

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