Stefan Tür

Stefan Tür

Aus der Fortsetzung von 'ChancenPool'

Blog über die Fortsetzung des im Januar erschienenen Romans 'ChancenPool' von Stefan Tür.

www.die-erlebnisse-des-robert-wick.de

Der Roman 'ChancenPool' ist im Januar 2017 erschienen
und überall im Buchhandel oder über Tredition erhältlich.
Das E-book gibt es u.a. bei Amazon.

Stefan Tür lebt und schreibt auf See.

Die Handlung dieses Romans ist frei erfunden. Sämtliche Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Ereignissen oder Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.

Aus der Feder Stefan Tür's (05.01.18)

RomanPosted by Stefan Tuer Jan 05, 2018 16:26

Der Schock traf Silke’s Vater tief; im Volksmund gesagt, direkt ins Mark. Und Paula sieht es ihm an. Er hängt völlig durch. Sich etwa zu verstellen und Haltung zu wahren, darauf legt Robert in diesem Moment keinen Wert. So abgeklärt wie er seinem Job als Journalist nachgeht – sei es im Interview mit einem Frauenmörder in der Todeszelle unmittelbar vor dessen Hinrichtung oder mit dem Staatschef, der meint, die Welt nach seinen wahnsinnigen Vorstellungen neu ordnen zu müssen – so gelähmt fühlt er sich hier in seiner Machtlosigkeit. Mit der Tatsache konfrontiert, ein zweites Mal in seinem Leben, welches bereits zur Hälfte vorüber sein könnte, dass ihm derart Trauriges wiederfährt. Sogar Mitleid für Fadil kommt kurzzeitig in ihm auf; was haben sie nicht doch Spektakuläres gemeinsam erlebt. Jedenfalls hat allein schon das Wort Abtreibung aus der Mitteilung seiner Tochter über ihre Entscheidung, Erschütterung ausgelöst. Grete und Peer, Silke‘s Großeltern, würden das nicht überleben, wenn sie davon in Ham burg erführen. Auch Paula hätte er diese Nachricht am liebsten verschwiegen. Aber er teilt halt gern. „Lass mich nur machen, ich werde mit Silke sprechen, von Frau zu Frau. Ihrer Mail entnehme ich eher Panik als Entschlossenheit“, glaubt die selbstbewusste Lady aus Colorado Robert zuversichtlich zu stimmen. „Vielleicht kann sich deine Tochter nicht vorstellen ihr Leben als alleinerziehende Mutter so zu gestalten, dass sie auf ihre Lieblingsbeschäftigung nicht etwa dauerhaft verzichten müsste. Außerdem würde ihr Wesentliches wohl kaum entgehen. Die Geschichte, der sie bei den Ausgrabungen auf der Spur zu sein scheint, ist schließlich viel älter als tausend Jahre.“ Beeindruckt von Paula‘s klugen Worten ist der Vater in Robert im Handumdrehen erneut aufgebaut. „Du sagst es Paula, was spielen da ein paar Jährchen überhaupt für eine Rolle. Und mit ihrem Hamburger Dozenten stand sich Silke ohnehin recht gut. Ich könnte auch mit Ighor sprechen, ob er von seinen Vorlesungen an der Mailänder Uni für zwei Semester eine Auszeit einlegen kann, um Silke eine Weile zu vertreten. Letztendlich war er bei der Entdeckung des Schatzes im vorigen Jahr mit dabei. Und ich bin ja auch nicht aus der Welt.“ Mit einem munteren ‘so machen wir es‘ denkt Robert, die Idee Paula’s einfach kurz und bündig verabschieden zu können, woraufhin diese ihm deutlich klarmachen muss, welch sensible Vorgehensweise erforderlich ist, um seine Tochter nicht zu verschrecken, damit sie sich nicht womöglich abkapselt. Paula kann sich vorstellen, dass Silke bereits einen Schutzmantel angelegt hat und die Umstimmung äußerst bedachtsam angegangen werden sollte. Nach dem was sie von Robert über Silke‘s Vergangenheit alles gehört hat, liegt ihr deren Wohl besonders am Herzen. Und so klingt ihre Stimme ernst, der Umgebung dieser Ruine, die ihrer beider momentanes Versteck ist, angepasst. „Wieviel Zeit bleibt dir noch bis zum Termin mit dem Interview? Wann musst du spätestens in Korea vor Ort sein, Robert?“ Zurück in der Rolle des Beschützers beider Frauen, überzeugt er Paula von seiner wiederhergestellten Entschlossenheit. „Silke ist mir wichtiger, aber wir können auch Beides schaffen. Vergessen dürfen wir nur nicht, unentdeckt zu bleiben.“ Nach einem prüfenden Rundblick schlägt Robert den Kragen seiner Schottenjacke hoch und schnürt seiner jüngsten Beziehung ihren Poncho, auf dass sie halb im Freien nicht zu frieren beginnt. „So wie du mich führst Robert, mache ich mir darüber keine Sorgen.“ Im Hilton eingecheckt und durch den Hinterausgang über Umwege des Nachts zu dieser Absteige geschlichen, war Robert’s einzige Wahl die Spürhunde von Paula’s Fährte abzulenken, bis beide aus der Metropole verschwunden sein würden. Bekanntlich verfügen insbesondere Geheimdienste nicht erst seit heute über effektive Verfolgungsmöglichkeiten zum Handy eines Gesuchten, wie auch die auf Paula angesetzte Verschwörung. Mit ein paar simplen Tricks hat Robert gleich nach ihrer Ankunft beobachten können, wie sich die Amerikaner hier in Istanbul der türkischen Zuarbeit bedienen, was ihm Fadil eigentlich schon früher bestätigte, als dieser, davon geplagt, mit seinen Recherchen über die Hintergründe des Systems die Arbeit in der Türkei aufnahm. So graust es Robert bei dem Gedanken, auf den Titelseiten der Weltpresse lesen zu müssen, dass sich Paula Anderson aus Verzweiflung über Zerwürfnisse wegen Erbschaftsstreitigkeiten mit ihren Töchtern etwa vom obersten Stockwerk eines Hotels gestürzt hätte. Dann bekäme die Nachrichtenbranche binnen einer Woche nach seinem Liveinterview mit der Widersacherin des Ölmagnaten die zweite Story serviert und kein Leser wüsste, was er glauben soll. Robert kennt das Geschäft nur zu gut. Und es mag denkbar sein, dass die Flucht Paula’s auch zu seiner werden könnte. Noch ist sein Hintergrundwissen über die globalen Machtverhältnisse des Geldadels zu delikat und die Agentur will ihn keinesfalls verlieren. Schon gar nicht bevor er die Talkshow mit Nordkoreas Staatschef und Donald Trump eingefädelt hat. Die Einschaltquoten lassen Werbeeinnahmen in ungeahnter Größenordnung erwarten. – Wollt Ihr wissen, wie es weitergeht? Dann lest die Fortsetzung am nächsten Freitag. Bis dahin, Euer Stefan

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