Stefan Tür

Aus der Feder Stefan Tür's (05.01.18)Roman

Posted by Stefan Tuer Jan 05, 2018 16:26

Der Schock traf Silke’s Vater tief; im Volksmund gesagt, direkt ins Mark. Und Paula sieht es ihm an. Er hängt völlig durch. Sich etwa zu verstellen und Haltung zu wahren, darauf legt Robert in diesem Moment keinen Wert. So abgeklärt wie er seinem Job als Journalist nachgeht – sei es im Interview mit einem Frauenmörder in der Todeszelle unmittelbar vor dessen Hinrichtung oder mit dem Staatschef, der meint, die Welt nach seinen wahnsinnigen Vorstellungen neu ordnen zu müssen – so gelähmt fühlt er sich hier in seiner Machtlosigkeit. Mit der Tatsache konfrontiert, ein zweites Mal in seinem Leben, welches bereits zur Hälfte vorüber sein könnte, dass ihm derart Trauriges wiederfährt. Sogar Mitleid für Fadil kommt kurzzeitig in ihm auf; was haben sie nicht doch Spektakuläres gemeinsam erlebt. Jedenfalls hat allein schon das Wort Abtreibung aus der Mitteilung seiner Tochter über ihre Entscheidung, Erschütterung ausgelöst. Grete und Peer, Silke‘s Großeltern, würden das nicht überleben, wenn sie davon in Ham burg erführen. Auch Paula hätte er diese Nachricht am liebsten verschwiegen. Aber er teilt halt gern. „Lass mich nur machen, ich werde mit Silke sprechen, von Frau zu Frau. Ihrer Mail entnehme ich eher Panik als Entschlossenheit“, glaubt die selbstbewusste Lady aus Colorado Robert zuversichtlich zu stimmen. „Vielleicht kann sich deine Tochter nicht vorstellen ihr Leben als alleinerziehende Mutter so zu gestalten, dass sie auf ihre Lieblingsbeschäftigung nicht etwa dauerhaft verzichten müsste. Außerdem würde ihr Wesentliches wohl kaum entgehen. Die Geschichte, der sie bei den Ausgrabungen auf der Spur zu sein scheint, ist schließlich viel älter als tausend Jahre.“ Beeindruckt von Paula‘s klugen Worten ist der Vater in Robert im Handumdrehen erneut aufgebaut. „Du sagst es Paula, was spielen da ein paar Jährchen überhaupt für eine Rolle. Und mit ihrem Hamburger Dozenten stand sich Silke ohnehin recht gut. Ich könnte auch mit Ighor sprechen, ob er von seinen Vorlesungen an der Mailänder Uni für zwei Semester eine Auszeit einlegen kann, um Silke eine Weile zu vertreten. Letztendlich war er bei der Entdeckung des Schatzes im vorigen Jahr mit dabei. Und ich bin ja auch nicht aus der Welt.“ Mit einem munteren ‘so machen wir es‘ denkt Robert, die Idee Paula’s einfach kurz und bündig verabschieden zu können, woraufhin diese ihm deutlich klarmachen muss, welch sensible Vorgehensweise erforderlich ist, um seine Tochter nicht zu verschrecken, damit sie sich nicht womöglich abkapselt. Paula kann sich vorstellen, dass Silke bereits einen Schutzmantel angelegt hat und die Umstimmung äußerst bedachtsam angegangen werden sollte. Nach dem was sie von Robert über Silke‘s Vergangenheit alles gehört hat, liegt ihr deren Wohl besonders am Herzen. Und so klingt ihre Stimme ernst, der Umgebung dieser Ruine, die ihrer beider momentanes Versteck ist, angepasst. „Wieviel Zeit bleibt dir noch bis zum Termin mit dem Interview? Wann musst du spätestens in Korea vor Ort sein, Robert?“ Zurück in der Rolle des Beschützers beider Frauen, überzeugt er Paula von seiner wiederhergestellten Entschlossenheit. „Silke ist mir wichtiger, aber wir können auch Beides schaffen. Vergessen dürfen wir nur nicht, unentdeckt zu bleiben.“ Nach einem prüfenden Rundblick schlägt Robert den Kragen seiner Schottenjacke hoch und schnürt seiner jüngsten Beziehung ihren Poncho, auf dass sie halb im Freien nicht zu frieren beginnt. „So wie du mich führst Robert, mache ich mir darüber keine Sorgen.“ Im Hilton eingecheckt und durch den Hinterausgang über Umwege des Nachts zu dieser Absteige geschlichen, war Robert’s einzige Wahl die Spürhunde von Paula’s Fährte abzulenken, bis beide aus der Metropole verschwunden sein würden. Bekanntlich verfügen insbesondere Geheimdienste nicht erst seit heute über effektive Verfolgungsmöglichkeiten zum Handy eines Gesuchten, wie auch die auf Paula angesetzte Verschwörung. Mit ein paar simplen Tricks hat Robert gleich nach ihrer Ankunft beobachten können, wie sich die Amerikaner hier in Istanbul der türkischen Zuarbeit bedienen, was ihm Fadil eigentlich schon früher bestätigte, als dieser, davon geplagt, mit seinen Recherchen über die Hintergründe des Systems die Arbeit in der Türkei aufnahm. So graust es Robert bei dem Gedanken, auf den Titelseiten der Weltpresse lesen zu müssen, dass sich Paula Anderson aus Verzweiflung über Zerwürfnisse wegen Erbschaftsstreitigkeiten mit ihren Töchtern etwa vom obersten Stockwerk eines Hotels gestürzt hätte. Dann bekäme die Nachrichtenbranche binnen einer Woche nach seinem Liveinterview mit der Widersacherin des Ölmagnaten die zweite Story serviert und kein Leser wüsste, was er glauben soll. Robert kennt das Geschäft nur zu gut. Und es mag denkbar sein, dass die Flucht Paula’s auch zu seiner werden könnte. Noch ist sein Hintergrundwissen über die globalen Machtverhältnisse des Geldadels zu delikat und die Agentur will ihn keinesfalls verlieren. Schon gar nicht bevor er die Talkshow mit Nordkoreas Staatschef und Donald Trump eingefädelt hat. Die Einschaltquoten lassen Werbeeinnahmen in ungeahnter Größenordnung erwarten. – Wollt Ihr wissen, wie es weitergeht? Dann lest die Fortsetzung am nächsten Freitag. Bis dahin, Euer Stefan

Aus der Feder Stefan Tür's (29.12.17)Roman

Posted by Stefan Tuer Dec 29, 2017 14:20

„Wenn das Kind von mir ist, bestehe ich sogar darauf als Vater anerkannt zu sein! Was soll überhaupt diese Frage? Das ist doch selbstverständlich! Und darauf lege ich Wert! Ich bin ein Özdemir!“ „Und was hast Du neulich am Telefon mit deinem Theater bezweckt, dich an unsere Nacht in Huntsville nicht mehr erinnern zu können, als ich dir aus Marokko die freudige Nachricht meiner anderen Umstände mitteilen wollte?“ „Das war ein Missverständnis, Silke!“ „Ha, ha! Kneifen wolltest du, Schuft!“ – Wären sie bei ihrem Treffen jetzt in einem Restaurant statt hier, hätte man besser rasch die Tischbestecke eingezogen, um einem Griff zum Messer zuvorzukommen. Denn auch ihrer Aller Outfit, Typen aus dem Untergrund ähnelnd, lässt nicht unbedingt nur Friedsames vermuten. Jedenfalls, die Erregung unserer kurzzeitig im letzten Dezember Verliebten bedarf kaum noch einer Steigerung, um übrige Besucher der kleinen gemütlichen Teestube vis-a-vis des Hilton zu verstören, verstünden diese englisch und somit die erhitzte Auseinandersetzung zwischen Robert’s Tochter und ihrem einstigen Schwarm Fadil. Doch da offensichtlich dem nicht so ist, verschlägt diese als friedlich gedachte Begegnung der beiden, allein Robert und seiner Begleiterin Paula beinahe die Sprache. „Das hört sich nicht gut an, meine Lieben!“, findet Robert schließlich doch Worte als Appell an die Vernunft und schaltet sich mit erhobenem Finger ein, woraufhin Paula ergänzt: „Zanken bringt euch auch nicht weiter! Was wünscht ihr euch denn, ein Mädchen oder einen Jungen?“ „Soweit bin ich noch nicht, mir missfällt die Ungewissheit, womöglich gar nicht der Vater zu sein“, verteidigt Fadil bedrückt dieses Verhalten und senkt zum Ausdruck einer gewissen Verzweiflung den Kopf. „Na Silke, jetzt bist du wohl an der Reihe zu klären, was Fadil verunsichert“, fühlt sich Robert als Vater veranlasst seine Tochter in die Pflicht zu rufen. „Wünschen die Herrschaften einen zweiten Tee? Und mehr Gebäck?“, ist auch die aufmerksame Bedienung bemüht, die Stimmung der Gäste wieder erträglich werden zu lassen. „Wenn Sie von dem Verzaubernden noch ein Glas bringen könnten, hätte ich gern das Honigstück dabei“, geht Paula auf die freundliche Nachfrage ein, wohlwissend, damit eine Atmosphäre zu fördern, welche die Gemüter animiert übereinzukommen – und tatsächlich schließen sich die anderen drei sogleich mit ihrer Bestellung gern an. Ein Zeichen des Kellners lässt einen alten Mann, schlicht gekleidet, behutsam aus dem Dunklen hervortreten und mit einem leisen Flötenspiel beginnen Musik zu machen, so dass sie sich unter ihrem buntseidigen Baldachin, einem Versteck gleich, umgeben von Geschichten erzählenden Wandteppichen, wie im Märchen von ‘Tausend und einer Nacht‘ wähnen, indes draußen das Treiben zunimmt. Und tatsächlich wird an diesem lauwarmen Samstagnachmittag im Februar hier am Bosporus bald die Sonne untergehen. Dann spätestens sollte auch endlich ‘der Hund vom Tisch‘ sein, denn so wie Paula und Robert durch die Hintertür kamen, wird es für sie langsam Zeit, vor ihren Verfolgern heimlich wieder zu verschwinden. – „Also, ich habe zigmal hin und her gerechnet, aber das Ergebnis ist, dass den Beweis nur ein Bluttest erbringen kann; daran führt kein Weg vorbei und deshalb bin ich hier.“ „Aber warum ist es denn so kompliziert, Silke?“, wundert sich Robert, in diesen Fragen etwas unbeholfen, hat er doch seine Tochter erst seit einigen Monaten, nach unerwarteten Ereignissen in ihrem Hamburger Zuhause bei den Großeltern, besser kennenlernen können. Zwanzig Jahre auf der Flucht vor sich selbst und der Wahrheit waren einfach eine zu lange Zeit. So durchzucken ihn die Erinnerungen an den ungeklärten Unfalltod seiner geliebten Frau wie Blitze und er muss sich beherrschen, jetzt die Fassung nicht zu verlieren, wie man es ihm in den zahlreichen Wochenendsitzungen antrainiert hatte. Nicht so arg verwundert springt Paula dem Vater bei, und um auch seiner Tochter aus der Patsche zu helfen, ohne etwa Fadil zu verletzen: „Ich erinnere mich an meine erste Liebe, aber leider auch an die Enttäuschung und wie ich sie zu überwinden versuchte. Ob mich Wut, Rache oder Genugtuung trieb? Wie auch immer, nach neun Monaten war ich stolz, Mutter eines gesunden Kindes zu sein. Und siehe da, die vermeintlichen Väter wären es am liebsten beide gewesen.“ „Genau! Als mich nämlich Fadil bei der Wahlparty in Texas keines Blickes würdigte und er stattdessen abseits mit einer Hübschen herumturtelte, fühlte ich mich neben dem Sohn des Gouverneurs in seiner Viper sauwohl.“ „Aber Silke, das war doch meine Schwester, die ich dort getroffen habe.“ – Schicksal, denkt Robert entspannt und hält den Burschen aus Texas nicht unbedingt für die schlechtere Partie, war sein Verhältnis zum ehemaligen Kollegen Özdemir doch eigentlich eher selten von absoluter Übereinstimmung geprägt, insbesondere seit dieser von London fort ist und heute in Ankara für die Amerikaner arbeitet. Letztendlich liegt ihm sowieso allein Silke‘s Wohl am Herzen. – Für uns bleibt also abzuwarten, was für sie das Beste sein wird. Nächsten Freitag werden wir es wissen. Bis dahin, Euer Stefan

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Aus der Feder Stefan Tür's (22.12.17)Roman

Posted by Stefan Tuer Dec 22, 2017 18:25

„Taxi, Taxi!“, unterstützt Robert sein dollarversprechendes Winken mit Rufen hinüber zur anderen Straßenseite, wo er ein freies kommen sieht, auf dass es ihnen sicher sei. – Zu Fuß waren sie jetzt immerhin bereits einige Stunden unterwegs. Durch schmale Gassen, mal links-, mal rechtsherum, über verbaute Hinterhöfe und im tosenden Gedrängel auf Märkten. Hauptsache Verfolger abzuschütteln galt die Devise, was Paula offensichtlich als ziemlich spannend empfindet, zu dieser Nachtzeit Istanbuls. „Fahren Sie uns durch das Parkhaus dort drüben“, weist sie phantasievoll dem Fahrer seinen Weg, dass es Robert nur so verblüfft. Als wären sie beide schon ewig ein Team. „Schlaue Idee, aber ich denke, anschließend kann er uns dann beim Hotel absetzen, jedenfalls ist mir bald danach.“ - Paula Anderson, die Frau von Welt, nicht allein wegen ihres Vermögens, nein, gleichviel oder eher wegen ihres Wirkens und humanitären Engagements, wegen ihrer Beliebtheit; diese Miss Anderson, die während einer Stadtfahrt vom Airport zum Hotel außer ihrer Geschäfte sonst nichts anderes wahrnehmen würde, hat jetzt nur eines noch im Sinn, mit Roberts Hilfe Trumps Killern zu entkommen. Die ihr auch nach der Flucht aus Colorado nicht mehr von den Fersen gehen wollen. Zu krass durchkreuzt ihr eisernes ‚Nein‘ die Pläne zur Verlegung einer Ölpipeline von Alaska über ihr Land. Dem Gebiet im San Luis Valley, was schon Paulas Großväter als Einwanderer mit den Ute-Indianern teilten. Nicht etwa dem Journalisten in Robert hat sie sich anvertraut, mit der spontanen Entscheidung ihn zu seinem nächsten Job nach Nordkorea zu begleiten, sondern dem Mann, in den sie sich Hals über Kopf verliebt hat; zum ersten Mal wieder seitdem sie Witwe ist. – „Meinetwegen, aber bleiben wir auf der Hut!“ „Hilton!“, lässt Robert den Taxifahrer wissen, wo die Tour endet. „Ich freue mich schon, morgen deine Tochter kennenzulernen.“ „Die wird sich erst einmal freuen, war ich doch bei ihr schon zum Einzelgänger abgestempelt.“ - Robert hatte mit der Agentur in London vereinbart, einen kurzen Zwischenstopp einzulegen. Und Silke war zu diesem Treffen von ihren Ausgrabungsarbeiten in Marokko nach Istanbul angereist. All das zur Klärung, ob Roberts ehemaliger Kollege Fadil die Vaterschaft am Nachwuchs Silkes anerkennen würde. – „Na, dann bin ich ja gespannt!“ – Und das könnt auch ihr sein, denn nachdem Robert sich nun den meisten Wünschen aus der letzten Folge verschrieben hat ‘drei Fliegen mit einer Klappe‘ erledigen zu wollen, geht es endlich freitags munter weiter in der Fortsetzung von ‘ChancenPool‘. Bis dahin und frohe Weihnachten, Euer Stefan

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Aus der Feder Stefan Tür's (31.03.17)Roman

Posted by Stefan Tuer Mar 31, 2017 15:53

Robert kennt zwar das Thema, doch Paula Anderson‘s Antworten nicht unbedingt. Ihn austricksen zu wollen hat schon so manchen verleitet, um dabei seinen Spaß zu haben, aber ihm wird die Arbeit dadurch nicht leichter gemacht. So bleibt er gefasst und trotz seines Bohrens darauf bedacht, das Gespräch nicht etwa aus dem Ruder laufen zu lassen. „Was glauben Sie Paula, wird Ihr Haus am nächsten ‘Thanksgiving Day‘ wie eh und je besucht sein?“ „Ach wissen Sie Robert, bis November sind es noch neun Monate, das ist eine lange Zeit.“ „In der sich viel verändern kann, sogar bei Ihnen hier, abseits vom Trubel.“ „Sie sagen es, der Schein kann trügen. Doch wer kennt schon die Zukunft so genau?“ Ohne eine Unterbrechung aufkommen zu lassen, gönnen sich beide einen kurzen Schluck Mineralwasser mit unauffälligem Blickaustausch, wobei der an Robert gerichtete die Mahnung zum Inhalt haben könnte, das Gespräch endlich auf den Punkt zu bringen. Was jenen allerdings eher bewegt, ist, rasch bei seiner Tochter zurückrufen zu können, denn auf dem Display seines Handys sieht er permanent ‘Hase‘ blinken und das ist Silke. „Eine Frau wie Sie Paula, überlässt doch nichts dem Zufall, oder?“ „Wenn wir von Verantwortung sprechen wollen, liegen Sie bei mir richtig, Robert.“ „Das freut mich, aber man hört, dass Sie ihr Vermögen einer Stiftung zuteil werden lassen wollen. Womit Sie sich Ihrer Verantwortung doch gewissermaßen entledigen würden. Oder sehe ich das falsch?“ „Die Wege, die wir im Leben gehen, sind gewiss nicht eindeutig vorgegeben. Vieles findet sich erst im Laufe der Zeit. Für mich stand irgendwann fest, den Spuren unserer Vorfahren folgen zu müssen.“ „Sie meinen, der Gesinnung erster Pioniere dieser Gegend?“ „Richtig. Wie es schon mein Urgroßvater pflegte. Er gehörte zu den wenigen Siedlern, die im Geben und Nehmen das friedliche Miteinander suchten und den Ute-Indianern gut gesonnen waren, wie sie früher über Generationen vom Büffeljagen lebten.“ „Dann liegt Ihnen also die Wahrung der Lebensweise dieser Ureinwohner am Herzen.“ „Und, dass sie nach meinem Tod nicht ausgebeutet werden.“ „Warum sprechen Sie von Ihrem Ende, Paula?“ „Das können Sie mich ja nochmals fragen. Jedenfalls gewährleistet die Gründung einer Stiftung, die sich aus der Verwaltung meines Vermögens finanziert, eine dauerhafte Fortführung unserer Tradition. Und das nenne ich Verantwortung.“ „Zweifelsfrei, jedoch weshalb überlassen Sie das Erbe dieser Familienverpflichtung nicht einfach Ihren Töchtern?“ „Schön wär’s, aber da schließt sich bedauerlicherweise ein Kreis anderer Interessen.“ „Moment ‘mal bitte Paula! Nicht, dass uns Fragen offen bleiben, steht noch ihr Tod aus.“ „Allein wäre ich auf diese geniale Idee mit der Stiftung gar nicht gekommen, darauf brachte mich meine Freundin.“ Dass Nancy Stone eine der meistgefragtesten Adressen in Sachen Stiftungseinrichtungen ist, war Robert schon von David bekannt, und vor allem, wie gewieft sie wohl ist. Kein Wunder also, dass hier offensichtlich alles in trocknen Tüchern zu sein scheint. „Gewiss, eine bessere Beratung hätten Sie sich nicht wünschen können, nur gehen Ihre Töchter leer aus.“ „Daran sind die Lieben selbst schuld. Denn indem sie mich bedrängten, das Land für andere Vorhaben zu verkaufen, haben sie den daran Interessierten in seiner Gier ermuntert, den Druck auf mich so zu erhöhen, dass ich mir meines Lebens nicht mehr sicher sein kann.“ „Wie dramatisch, aber mit Ihren Möglichkeiten könnten Sie doch untertauchen.“ „Davonlaufen war noch nie mein Ding. Die Stiftung wird eine Festung sein. Falls Rache aufkommt, soll die Welt wissen, wie es war.“ – Dafür ist nun gesorgt und einem Feierabend ähnlich, hocken sie beide, der Einladung Canalla’s gefolgt, am wärmenden Lagerfeuer unter ihren palavernden Freunden. Jeder mit einer Schüssel ‘Hominy‘, wie die Ute-Indianer von hier Maisgemüse am liebsten haben, und hören die Gesänge, begleitet von einem Chor rasselnder Instrumente, als wäre die Zeit vor Ewigkeiten stehen geblieben. Doch das ist sie leider nicht. Rücksichtslos holt die Realität Robert ein. Sein Einsatzleiter der Londoner Agentur drängt ihn wegen des Interviews mit Nordkoreas Kim, bevor der amerikanische Präsident einen Strich durch die Rechnung macht. Dann ist da noch der Hilferuf von Töchterchen aus Marokko, die den Rat des Vaters sucht, denn sie erwartet überraschend Nachwuchs, aber ist sich nicht sicher von wem. Für Robert scheinbar unmöglich, zeitlich alles in Einklang zu bringen. Möchte er doch auch noch Paula überzeugen, dass sie sich lieber absetzen solle. Schließlich hätte er Beziehungen. Unverkennbar ist seine Zuneigung gewachsen. So sehr hat ihre Nähe ihn, zum ersten Mal seit dem Tod seiner Ehefrau, Vermisstes wieder spüren lassen. - Wenn Ihr bis jetzt gern von Robert gelesen habt und es weitergehen soll, lasst es mich wissen. Und wenn es Euch Spaß macht, wird sein nächstes Ziel, was sich die meisten von Euch wünschen: Dass er zu seiner Tochter Silke eilt? Taylor’s nächstem Auftrag nachgeht? Oder Paula Anderson beisteht? - Bis ich in Uruguay den Anker fallen lasse, habt Ihr dafür 3 Monate Zeit. Auch um ‘ChancenPool‘ zu lesen. Bis dahin, Euer Stefan


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Aus der Feder Stefan Tür's (24.03.17)Roman

Posted by Stefan Tuer Mar 24, 2017 18:04

Marie-Luise hat, verfolgt vom aufmerksamen Blick eines Securities, ihren Platz im Hintergrund auf einem Stuhl am Sekretär eingenommen. Sie sitzt dort vor ihrem Laptop und wird in Kürze aus ein paar Metern Entfernung die fünf Kameras, auf den um die Sesselgruppe verteilten Stativen, dirigieren. Bernard, der vielseitige Assistent, ist bereit, die Ausleuchtung zu umsorgen. Wegen der zum Abend sich verändernden Lichtverhältnisse, wurden die Vorhänge vom Hauspersonal zugezogen und die Stätte wirkt wie abgeriegelt von der Außenwelt. Im mannsgroßen Kamin, eingefasst zu beiden Seiten von Marmorsäulen mit darauf platzierten Rosenarrangements, lodern die Flammen über dazugelegten Holzscheiten. Schier unendlich viele Bücher, in Regalen bis hoch unter die Decke, säumen den Raum, dem eine prächtige Palme die Stimmung einer behaglichen Oase verleiht. Der noch etliche Jahre Wachstum gewährt sind, bis sie an die Holztäfelung der Decke anstoßen würde. Büffeltrophäen oder dergleichen wären hier vergeblich zu suchen. Das Parkett bedecken auf den Laufwegen Ziegenfelle, über die man zu einer ledernen Sitzlandschaft gelangt. Wo der Sherry noch kürzlich in Paula und Robert seine Genießer fand. Nach Abfrage letzter Wünsche verschwindet auch der Visagist und die schweren Flügeltüren des Eingangs werden von innen geschlossen. Als würden sie gar nicht anwesend sein, nehmen die Wächter ihre Posten abseits verdeckt ein. Marie-Luise schaut auf die Uhr und gibt ein Zeichen. Sie sind pünktlich eine Minute vor der Zeit, nach der bereits eine Stunde später ihre Bilder und das Interview von der Londoner Agentur den Medien weltweit angeboten werden. Eine Minute für Robert’s obligatorische Authentizitätsansage vor Beginn der Aufzeichnung dieses Liveinterviews. Die Minute, in der Paula Anderson noch entscheiden kann, das Interview doch nicht zu wollen. Was sie allerdings zwölf Millionen Dollar kosten würde, wie die Abmachung ist. Aber die Frau aus dem Hochtal mit der reinsten Luft dieser Welt fühlt sich fit und ist bester Laune auf Robert’s Fragen zu antworten. „Paula, wie geht es Ihren drei Töchtern und deren Familien?“ Leises Klicken der Verschlüsse aus den Aufnahmegeräten der Meisterin für Fotografie, fängt Bilder mit Paula Anderson von allen Seiten ein und wie sie ihre Haarpracht aus geschickt inszenierter Empörung über erste Frage wild umherwirft, bevor sie für die Story kontert. „Bestens, alle sind gesund, die Kinder machen sich gut und die Geschäfte meiner Schwiegersöhne laufen blendend.“ „Das hört man gern. Wann haben Sie sich das letzte Mal gesehen?“ Fix haben sich die zwei auf gleicher Welle gefunden und der Auftraggeberin des Interviews gefällt es offenbar zu parieren. „Zum ‘Thanksgiving‘ ist das Haus immer voll. Sie können sich gar nicht vorstellen, was dann hier los ist. Da hat noch keiner gefehlt.“ „Ja ja, so soll es auch sein, aber wer weiß, wie es dieses Jahr wird?“ – Nächsten Freitag werden wir es erfahren. Bis dahin, Euer Stefan.

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Aus der Feder Stefan Tür's (17.03.17)Roman

Posted by Stefan Tuer Mar 17, 2017 17:27

„Mrs. Black macht in der Finanzwelt ab und zu von sich reden. Bewundernswert wie sie ihr Schicksal meistert.“ Robert hofft, nicht nach David gefragt zu werden, denn in seiner Position wird auf absolute Glaubwürdigkeit Wert gelegt, was den Spielraum für Ausflüchte begrenzt. So versucht er mittels eines eingeleiteten Malheurchens mit seiner Teetasse, geschickt das Thema zu bestimmen. „Oh pardon! Das tut mir leid, wie unachtsam von mir.“ „Um Gottes willen, machen Sie sich doch darüber keine Gedanken, Mr. Wick. Nicht um das Tischtuch. Ich bitte Sie.“ Beruhigt die noch von herber Stallluft umgebene Lady ihren auserwählten Akteur, charmant lächelnd, während sogleich vom umsichtigen Personal sechshändig neu eingedeckt wird. „Nancy Black ist meine engste Freundin. Sie hat mich in den Stiftungsfragen mit ihrem Stab beraten. Wir besuchen uns gern. Aber in ihren Maserati sollte man nicht ohne Testament einsteigen. - Den zweiten Gatten hatte ich nie kennengelernt.“ Erleichtert über das Ausbleiben befürchteter Nachfrage, gönnt sich Robert nun den neu eingeschenkten Tee von seiner Lieblingssorte Earl Grey und sieht durch die Nachricht, dass Mrs. Anderson mit David’s Ehefrau befreundet ist, keine weiteren Probleme auf sich zukommen. Dennoch will er sicherheitshalber möglichst zügig zum eigentlichen Anlass seines Hierseins übergehen. „Verzeihung, wenn ich so direkt frage, aber möchten Sie sich mit mir vor dem Interview noch ein wenig austauschen, Mrs. Anderson? Es liegt mir fern, Sie versehentlich in Bedrängnis zu bringen.“ Auch ohne diese aus dem Zweck heraus geborene Ansage, würde Robert, durch eine sich meldende Sympathie sensibilisiert, das Interview sowieso nicht etwa in Bahnen driften lassen, die das Potential hätten, womöglich eine skandalträchtige Sensationsstory auszulösen. Auf einen derartigen Erfolg könnte er nicht stolz sein. Zu edel sind die bekannten Absichten dieser vermögenden Frau, wie sich das Bild von ihr bei ihm abgelegt hat. Nach seiner Einschätzung passend zu ihrem Wesen. Dort zu helfen, wo es wichtig und angebracht ist. Ohne ein Denkmal zu erwarten. Denn ein solches stellt buchstäblich schon ihr außergewöhnliches Anwesen in dieser Landschaft dar. Fantastisch wie sie selbst. Als hätte hier ihre Familie in Vorzeiten einen Block aus den Champs-Élysées herverfrachtet. „Sehr rücksichtsvoll von Ihnen, so zugeneigt kennt man Sie gar nicht. Doch egal was Sie ansprechen, ich weiß mich zu wehren, keine Sorge.“ Mit einem fast unauffälligen Zeichen bittet Mrs. Anderson’s Bodyguard ihr etwas ins Ohr flüstern zu dürfen und sie hört ihm zu. Scheinbar Verwunderndes erfahrend. Den hochgezogenen Augenbrauen nach zu urteilen Befremdendes. „Kennen Sie die französische Fotografin? Offenbar ziemlich ungezügelte Naturen, sie und ihr sportlicher Assistent.“ Womit sich für Robert dann auch die Zukunft ‘Marie-Luise‘ erledigt hat. „Wir hatten in den zurückliegenden zwölf Monaten zwei gemeinsame Einsätze. Zu einem außer der Reihe fehlte die Gelegenheit.“ „Sie Armer!“ Tröstet ihn jene, der er in schnellen Schritten zu imponieren beginnt. „Hätten Sie diesen Job ablehnen können?“ Robert sagt nicht nein zu dem angebotenen Gläschen Sherry und begutachtet, mit prüfendem Blick, die Gesichtszüge der Frau, welche sich in nächster Stunde der interessierten Welt über ihre Zukunft mitteilen will. Als wolle er noch rechtzeitig zuvor Übriges aus ihrer Vergangenheit erfahren, um dann alles über sie zu wissen. Dass sie trotz der beeindruckenden Eleganz, von ihrer Rasse her, eine natürlich gebliebene Erscheinung ist, passend zu ihrem Land hier oben, sieht er. „Dann wäre ich ein Tölpel gewesen. Was auch einem freien Journalist nicht zu häufig widerfahren sollte.“ Geschmeichelt erkundigt sich die, bis auf ihre Freundin Nancy, wohl doch einsam gewordene Witwe, ob Robert im Gästetrakt übernachten möchte oder die Agentur für ihn ein Hotel gebucht hat. „Wenn Sie mich zum Frühstück nicht fressen, sollte ich das Interview verbockt haben, bleibe ich gern. Allerdings bin ich zum Mondscheinessen eingeladen. Das kann ich nicht absagen, die Leute möchte ich nicht enttäuschen.“ „Aha, zu Canalla! Na, dann reiten wir doch gemeinsam rüber!“ Und ohne, dass die sich offensichtlich riesig Freuende, eine Anweisung zu den Vorbereitungen des Ausfluges erteilen müsste, bemerkt Robert die im Hintergrund unmittelbar einsetzende Geschäftigkeit des Personals. „Sagen Sie ‘mal Mr. Wick, könnte es sein, dass Sie es auf der Stelle fertigbrächten, Mrs. Anderson zu vergessen?“ Diese Überraschung verwirrt Robert, als hörte er Stimmen aus einem nahenden Ufo. „Warum? Wieso? Weshalb?“ „Weil es mit Paula nicht möglich wäre.“ „Und mit mir nicht ohne einen zweiten Sherry. - Cheers Paula.“ „Cheers Robert.“ Was wird das wohl für ein Interview? - Nächsten Freitagabend werden wir es erfahren. Bis dahin, Euer Stefan.

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Aus der Feder Stefan Tür's (10.03.17)Roman

Posted by Stefan Tuer Mar 10, 2017 16:08

„Wenn das keine Überraschung ist, bonjour Robert!“ „Sei gegrüßt Marie! Wie lange ist das her? Lass dich umarmen.“ „Zu lange, viel zu lange! - Erzähl, wie geht es dir, was treibt deine Tochter?“ Die Fotografin war schon vor Robert im Hause von Mrs. Anderson eingetroffen und hat sich mit ihrer Ausrüstung in der Bibliothek ausgebreitet. Kann sie nicht einfach nur ein Aufnahmegerät auf den Tisch legen, um ihre Arbeit zu erledigen, sondern muss ausleuchten, Reflexionen berücksichtigen und dergleichen mehr, wie es halt die Qualität der Bilder in Illustrierten fordert. So verfolgt sie Robert’s Worte während ihres Umherschwirrens. „Silke ist mit ihrem Prof in Marokko, auf Ausgrabung. Wir hatten letzten November endlich ‘mal begonnen einiges gemeinsam zu unternehmen und eine tolle Zeit. Wollen wir jetzt öfter machen. - Bist Du für den Termin extra aus Paris gekommen?“ „Nein, wo denkst Du hin? Allein wegen dir, mon cher! Natürlich nicht, wir haben in Denver zu tun, Modeaufnahmen. – Bernard, die Kabel hinter die Sessel! Wie ich Monsieur Robert kenne, bevorzugt er es bequem.“ Die Zigarette im Mundwinkel kauend, als wäre sie schuld daran, dass seine Pause noch zu warten hat, ändert der Assistent die Verlegungen. „Hast du sie schon gesehen?“ Erkundigt sich Robert bei der Fotografin, die auch das Model sein könnte, wenn die Attraktivsten in die Linse schauen. „Heute noch nicht und das letzte Mal ist zwei Jahre her, als wir die Aufnahmen mit ihr im Reitstall machten. Seitdem sah man sie nirgendwo. Ist mir also treu geblieben. Kann ich das auch von dir sagen?“ Ohne wirklich eine Antwort zu erwarten, hält Marie-Louise dennoch für einen Augenblick mit ihrem Hantieren inne und wird dafür von Robert durch einen zarten Kuss auf die Wange belohnt. „Aber meine Liebe, ich hätte doch gar keine Zeit.“ „Das glaube ich dir sogar, wo du überall in der Welt umherdüst. Und da du heute hier mit von der Partie bist, wird es sich gewiss auch nicht bloß um den üblichen Klatsch handeln. – Erwarten wir einen Weltkrieg? Zieht die Grande Dame in einen Atombunker?“ Ob von alledem etwas ernst zu nehmen sein könnte, will Robert jetzt nicht kommentieren. Vielleicht später. „Sehen wir uns nach der Arbeit? Ich bin zu einem Mondscheinessen eingeladen. Bei hiesigen Indianern. Interessante Leute. Würde dir sicherlich auch Spaß machen und wir hätten noch ein paar Stunden zusammen. Sag ja, Marie.“ Wobei Robert eigentlich schon die Antwort kennt. Einer von ihnen hat ja nie Zeit. „Haben Sie noch einen Wunsch? Miss Anderson wird in Kürze erscheinen.“ Teilt eine der freundlichen Bediensteten in farbenprächtigem Dress den Besuchern mit. „Bikinishow in den Rockies. Er wird auch dabei sein. Die Helikopter sind zu neun Uhr früh geordert. Ein hunderttausend Dollar-Vormittag. Schade, wir müssen deshalb heute noch die letzte Maschine nach Denver nehmen. Und die startet vor deinem Mondscheinspektakel.“ Als hätte Robert es nicht wieder geahnt, widmet er zur Zerstreuung seine Aufmerksamkeit der Bildergalerie über dem Kamin, kommt jedoch von einem Foto nicht so recht los. Zum ersten Mal sieht er Nancy. Sie muss es sein. Denn hinter ihrem Rollstuhl steht David, Robert‘s ehemaliger Freund aus ‘ChancenPool‘. „Kennen Sie die beiden, Mr. Wick?“ Fragt die herangenahte Hausherrin, ihren Poncho über einen Sessel werfend, noch in Stiefeln und Reithose, und bittet Robert zum Tee, was ihn ins Grübeln bringt, welche Verbindungen hier wohl bestehen. – Nächsten Freitag werden wir es erfahren. Bis dahin, Euer Stefan.

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Aus der Feder Stefan Tür's (03.03.17)Roman

Posted by Stefan Tuer Mar 03, 2017 12:12

„Die Drohungen verängstigen Mrs. Anderson zunehmend. Seitdem kürzlich ihre beiden Dobermänner aus einem Hinterhalt erschossen wurden, beschützen sie Männer von uns. Rund um die Uhr. Die Hinrichtung ihrer Lieblingshunde sollte wohl eine letzte Warnung sein, denn ein Ultimatum scheint bald abzulaufen.“ Derart massive Vorgehensweisen hätte Robert bei den enttäuschten Erbanwärtern nicht vermutet, zumal aus dem Clan der Andersons bisher keiner als solch Schwarzes Schaf von sich reden machte. Wie etwa David sich in ‘ChancenPool‘ zu einem entpuppte. „Sind die Zerwürfnisse denn so tiefgreifend?“ Canalla sieht Robert, im gegenüber hängenden Wandspiegel vom Tresen aus, deutlich dessen Verwunderung an und kann die Missdeutung seines wissbegierigen Freundes nachvollziehen. Nach kurzem Zwischenruf des hereinschauenden Pendelbusfahrers, wer zum Ufo-Watchtower mitfahren möchte, ergänzt Canalla die Aufklärung Robert’s mit unverkennbar ernster Miene. „Die drei Stieftöchter von Mrs. Anderson haben zwar einen Komplott geschlossen, wie man sich erzählt, und auf ihre Stiefmutter Detektive angesetzt, um nachweisen zu können, dass diese wegen der Stiftungsabsichten für verrückt zu erklären ist. Deshalb jedoch bangt sie nicht etwa, umgebracht zu werden. Nein, wer hier in der Gegend niemals blufft, ist der frühere Partner des verstorbenen Mister Anderson. Einer der genau weiß, was er will und es in der Regel auch immer bekommt. So oder so.“ Nach diesen Worten lässt ein Blick auf die Uhr Robert wünschen, dass seine nächste Frage ausreichen möge, Restliches zu erfahren. „Was will der Mann?“ Länger als um den Kaffee auszutrinken, wollte Canalla ohnehin nicht unterbrechen Robert abschließend zu berichten und geht ins Flüstern über, was einen Höhepunkt ankündigt. „Die Unterschrift von Mrs. Anderson. Zur Abtretung ihrer Ländereien. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen. Damit seine Pipeline gebaut werden kann. Für die Trasse von Alaska nach Texas. Nur über ihre Leiche, sagt die Urenkelin von einem der ersten Pioniere hier jedem dazu. Und da die Erben mit dem Angebot des Baulöwen einverstanden wären, hat er die forsche Dame vielleicht sogar wörtlich genommen.“ Womit Robert einleuchtet, weshalb Mrs. Anderson das Interview nicht wie geplant in Denver, sondern lieber bei sich zu Hause abhalten möchte. War schon der Tod ihres Ehemannes angeblich auf einen Unfall zurückzuführen. Das Puzzle beginnt für Robert Gestalt anzunehmen und er glaubt, sich langsam ein Bild von alledem hier machen zu können. „Mein lieber Canalla, das war sehr aufschlussreich, doch wird es jetzt Zeit für uns aufzubrechen, denn bald erwartet man mich. Ich sage vielmals Dank. Es hat mich geehrt, dass wir zusammen gesprochen haben.“ So beenden sie ihren Besuch im Coffeeshop ‘Happy-Hour‘ und Robert lässt es sich trotz Canalla‘s Geste nicht nehmen, die kleine Rechnung zu bezahlen. Wonach dieser darauf besteht, dass Robert sein Gast beim Mondscheinessen ist, ohne die Vermutung aufkommen zu lassen, Neues vom Interview aus erster Hand unbedingt hören zu wollen. – Wir dagegen brennen darauf, müssen jedoch bis nächsten Freitagnachmittag warten.
Bis dahin, Euer Stefan.

Zur Website des Romans "ChancenPool":
www.die-erlebnisse-des-robert-wick.de



Aus der Feder Stefan Tür's (24.02.17)Roman

Posted by Stefan Tuer Feb 24, 2017 20:15

„Wenn Sie kein Detektiv sind, was ist dann Ihr Geschäft? Wenn Sie nichts weiter tun als zuhören, fragen und reden. - Nehmen Sie Zucker?“ Am Ende des einladend gedeckten Tresens, der im ‘Happy-Hour‘ Tische ersetzt, haben die beiden letzte freie Hocker besetzt und befinden sich mit ihren Plätzen neben Ufo-Gläubigen, wie sie hier tagtäglich Neuigkeiten über aktuelle Sichtungen im San Luis Valley austauschen. „Nicht beim ersten, nein danke. - Von dem Wenigen, was zu raten übrig bleibt, bin ich vielleicht ein Jäger im Wald der Wirren dieser Welt.“ Womit Robert den hilfsbereiten Canalla noch mehr ins Grübeln bringt. „Da an Ihnen keine Ähnlichkeit mit uns Ute-Indianern zu sehen ist, sage ich, Sie sind ein Robin Hood.“ So hätte Robert die Einschätzung des Weisen natürlich am liebsten und wäre stolz darauf. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Man erwartet von ihm Stories, die sich verkaufen lassen. „Gut kombiniert. Echte Indianerspürnase, aber ich bin bloß Journalist.“ Erstaunt blickt Canalla mit hochgezogenen Augenbrauen fragend in Robert’s Gesicht, um zu ergründen, warum dieser unzufrieden ist. Bringt der Job doch gewiss gutes Geld. „Aha, dann werden Sie eine Geschichte über Mrs. Anderson schreiben, nicht wahr?“ Robert rutscht sich auf dem lederbezogenen Sitz zurecht, als wolle er es zum Erzählen bequemer haben. „Auch noch einen Kaffee, Canalla?“ „Ich werde nicht nein sagen, wenn ich von meinem großen Freund höre, was andere erst später lesen können.“ Robert hat verstanden und bestellt die zwei Kaffee, bevor er beginnt. „Die Witwe möchte alle Menschen wissen lassen, warum sie ihren Kindern nichts vererben will. Es ist ihr wichtig, die Beweggründe kundzutun. Jetzt, damit schon vor ihrem Tod einer schlechten Nachrede vorgebeugt ist. Denn mit dem Ende rechnet sie täglich, warum auch immer.“ Trotz der lauter gewordenen Musik unterbricht Robert, um sich zu vergewissern, keine weiteren Mithörer geweckt zu haben, was Canalla befürwortet. Hat er doch, angetan vom soeben Erfahrenen, Überraschendes zu berichten. „Nicht das Alter, ist ihre Furcht zu sterben. Eine gute Gesundheit ist ihr geblieben. Nein, Mrs. Anderson glaubt angeblich den Mörder sogar zu kennen, der auch sie umbringen soll.“ „Woher die Nachricht, Canalla?“ „Über Jahrzehnte sorgte unser Stamm für das Wohl der Andersons und so auch heute noch Familienangehörige von mir. Wir schweigen zu dem was wir hören. Sie sind nicht von hier, so rede ich zu Ihnen.“ Robert kann sich kaum zurückhalten, so gespannt ist er. „Was kann mir mein großer Freund Canalla noch mehr erzählen?“ - Nächsten Freitag werden wir es erfahren, bis dahin, Euer Stefan.

www.die-erlebnisse-des-robert-wick.de



Roman "ChancenPool" jetzt als E-BookRoman

Posted by Stefan Tür Feb 23, 2017 17:34

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